„Sich in den Dienst der Natur stellen statt sich selbst zu produzieren”

Unterrichtsvorbereitung und ein Vormittag
im Gartenbau an der Walldorfschule in Dietzenbach

„Das wichtigste für mich, ist das Gefühl dass ich die Kinder liebe und wir eine gute
Zeit zusammen haben. Ansonsten sind die meisten Dinge die ich mit den Kindern mache,
Dinge ich früher mit meinen Eltern, oder Großeltern gemacht habe.
Während wir heute in der Schule beinahe schon eine Choreografie fürs Kartoffelschälen
vorbereiten, war das früher ja zuhause noch Alltag. Und das ist einfach ein Indiz dafür, das diese Sachen bei vielen Kindern im Alltag einfach gar nicht mehr stattfinden und dadurch natürlich unter Umständen auch wichtige motorische Fähigkeiten und Bezüge auf der Strecke bleiben.”

Traudl Simon Kutscher arbeitet an 2 Tagen die Woche mit den Kindern der Walldorfschule im Garten und achtet bei den Arbeiten darauf, das die Aufgaben altersentsprechend angelegt sind. „Gerade wenn die Kids in die Pupertät kommen ist es manchmal so hilfreich mal ein Beet umzugraben und daran einfach eine konkret ausführbare Aufgabe zu bewältigen – am Besten man macht auch eine konkrete Größenvorgabe – wenns hinterher mehr ist, sind die Kinder einfach stolz auf dass, was sie geleistet haben.„Sich in den Dienst der Natur stellen, statt sich selbst zu produzieren”, also die Arbeiten übers Jahr zu verrichten die notwendig sind damit etwas gedeiht, mit allem was nötig ist, um den Wuchs zu fördern und die Ernte rechtzeitig einzubringen. Ums Ganze – ums Große geht es hier.

Und überhaupt – erklärt Traudl mir – stammt doch unsere ganze Sprachkultur von allem hier,wenn wir F……Fisch sagen oder den großen Baum hier beschreiben. Eurythmie sagt sie mir heißt das, wenn etwas lebendiges zum Schluss zu einem Buchstaben wird und tanzt mir gleich dazu das Wort Baum eurythmisch in drei verschiedenen Sprachen vor.

Als wir ankommen zieht eine Schulklasse gerade Saatfurchen mit einem antiken Pflug, indem jeweils 10 Schüler vor den Pflug gespannt werden und die anderen die Gruppe anfeuern. Witzige Idee um eine Pferdestärke zu erläutern und die Kinder auf Trab zu bringen.

Im Umgang miteinander und im Gartenraum selbst gibt eine Achtung den Rahmen, Traudl begrüßt alle Kinder mit der Hand, die Kinder sprechen einen gemeinsamen guten Morgen Gruß an Frau Simon Kutscher und auch an mich – was mich rührt.
Während dem Kartoffelschälen für die Schulküche – denn das ist heute angesagt – wird nicht nur locker erzählt, sondern auch ganz viel über die Herkunft der Kartoffel, den Hungersnöten in Europa, der Entdeckung in Kolumbien, dem Import der Kartoffel durch die spanischen Eroberer und der großflächigen Einführung durch Friedrich den Großen gesprochen. Später auch über die wichtigen Nährstoffe und ihre Aufgaben im Körper, wieviel weniger nährstoffreich die Nahrung im falschen Anbau sein kann und was das mit uns macht.
Der Tag endet für mich mit einem späten Mittagessen in der Mensa, bei dem ich nicht mein Handy mit den Ackerbildern herzeigen soll, denn das soll hier ausblieben. Klar, denn nicht auf digitale Eindrücke, sondern auf ein nachhaltiges Essen und auf unser Gegenüber sollen wir uns hier freuen.

Mein Buchtipp dazu:
Zur Geschichte der Eurythmie: Rudolf Steiner und die Architektur der frühen Unterrichtsräume

 

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